sonstige Publikationen

Alles Schall (und Rauch – aber das leider zu selten)

Eine kurze Abhandlung über ein leidiges Thema

von Marco Bernardi

Die DIN 45680 und mit ihr die TA Lärm stehen vor der Neufassung. Unglaublich, aber wahr, es gibt Änderungen und diese kommen dem Menschen zugute.

„Eines Tages wird der Mensch den Lärm genauso bekämpfen müssen wie Cholera und Pest.“
Robert Koch (1843-1910)

Vor 101 Jahren, als Robert Koch diesen Ausspruch tat, konnte niemand absehen, wie recht er haben sollte. Heute will man es nicht absehen – zumindest nicht, wenn es um Windenergie geht. „Windenergie ist gut. Windenergie ist sauber. Und Windenergie ist leise!“

„Wir müssen den Landwirten ein zweites Standbein ermöglichen“ hieß es in den 80er Jahren aus der Politik. Das ist zwar nur die halbe Wahrheit, immerhin hatte Peter Harry Carstensen (Ministerpräsident in Schleswig-Holstein) als Mitglied des Deutschen Bundestages 1990 das Stromeinspeisegesetz auf den Weg gebracht und sich somit die eigenen Windwahnprofite vom Stromkunden zahlen lassen. Aber auch die halbe Wahrheit langte, um weite Teile Deutschlands durch Windkraftwerke zu zerstören. Mit allen Folgen, auch dem Lärm.

Zum Glück gibt es die TA Lärm. Offiziell handelt es sich um die „Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm – TA Lärm)“. Es ist zwar nur eine Verwaltungsvorschrift und besitzt somit keinen Gesetzesstatus, wird aber für alle Belange des lärmenden Lebens herangezogen, ungeachtet der Anwendbarkeit dieser Vorschrift auf die Gegebenheiten.

Das Problem der TA Lärm ist das menschliche Ohr. Es kann in einem Bereich von etwa 1.000 Hz bis ca. 8.000 Hz (1 Hz = 1 Schwingung pro Sekunde) besonders gut hören. In dem Bereich von 8.000 Hz bis 20.000 Hz (obere Hörgrenze) noch recht gut und im Bereich unter ca. 200 Hz bis 16 Hz (untere Hörgrenze) nicht mehr so gut. Dieser Eigenschaft des menschlichen Ohres wird mit einem extra hierauf abgestimmten Bewertungsfilter A nachempfunden. Diese Schalldruckpegelmessung wird mit „dB(A)“ gekennzeichnet

Erklärung:

dBA: Überwiegend wird das Dezibel-A-Filter verwendet. Damit wird ungefähr die Hörkurve von 40 dB der Kurven gleicher Lautstärkepegel für die menschlichen Ohren nachgebildet. Der Schallpegelmesser ist damit besonders für tiefe Frequenzen weniger empfindlich. Eine A-Kurve sorgt immer für „geschönte“ Werte, wenn im Signal tiefe Störungen enthalten sind. Ein mit A-Filter gemessenes Motorradgeräusch muss unwahr sein. Das sollte man wissen. Man darf von dB-A-Messungen keine zutreffende Beschreibung der Lautstärke erwarten.

Quelle: http://www.sengpielaudio.com/Rechner-dba-spl.htm

Im Bereich von 0 Hz bis 16 Hz kann das menschliche Ohr Schwingungen nicht mehr als Ton, sondern nur noch als Vibration wahrnehmen. Die TA Lärm ignoriert diesen Bereich, da als Grundlage für die Verwaltungsvorschrift das menschliche Ohr herhalten muß und dieses hier nichts mehr hört.

Um den Einfluß der tiefen Frequenzen im hörbaren Bereich besser Beurteilen zu können, wird ein anderer Filter verwendet. Es handelt sich hier um den Bewertungsfilter C, gekennzeichnet durch „dB(C)“. Bei der C-bewerteten Messung werden die einzelnen Frequenzen von 16 Hz bis 20.000 Hz nahezu gleich bewertet.

Da Schall nicht nur über das Ohr wahrgenommen wird, sondern über den ganzen Körper, ist die C-bewertete Messung für den Einfluß des Lärms auf den ganzen Körper besser geeignet als die A-Bewertung. Problem auch hier: Infraschall bleibt komplett unberücksichtigt.

Dem Einfluß des Infraschalls versucht man nun in der TA Lärm über einen Umweg zu begegnen. Die Differenz zwischen einer A-bewerteten Messung und einer C-bewerteten Messung in schutzbedürftigen Räumen (z.B. Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer) bei geschlossenen Fenstern darf laut TA Lärm 15 dB nicht überschreiten (Neufassung der TA Lärm). Ist die Differenz größer, ist von erheblichen Belastungen im Infraschallbereich auszugehen und es sind entsprechende zusätzliche Messungen durchzuführen.

Bemerkenswert hierbei ist, daß die Differenz gegenüber der alten Fassung der TA Lärm von 20 dB auf 15 dB abgesenkt wurde. Offensichtlich hat sich die Tatsache, daß sich nichthörbarer Schall gesundheitsschädlich auswirkt nun auch in Deutschland herumgesprochen. Ebenfalls wurde der zu berücksichtigende Frequenzbereich von 10–90 Hz auf 8 –125 Hz erweitert.

Mit handelsüblichen Schallpegelmeßgeräten können A- und C-gefilterte Messungen durchführt werden. Auch wenn diese Geräte zu Preisen von 50 – 250 Euro nicht für professionelle Messungen herangezogen werden können, geben sie doch die ersten – und leider oft die einzigen – Anhaltspunkte für zu laute Windkraftwerke.

Die Neufassung der TA Lärm, sollte sie so am 01.01.2012 in Kraft treten, ist ein weiterer Etappensieg im Kampf gegen lärmende Windkraftwerke. Schon heute sind die Vorgaben der (alten) TA Lärm vielerorts nicht einzuhalten und viele Anlagen müßten eigentlich zeitweise stillgelegt werden.

Vor 150 Jahren hatte Theodor Fontane recht, als er sagte „Die Ruhe ist wohl das Beste von aller Erden Glück“

(Quelle: www.windwahn.de)